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Warum kann nicht den ganzen Sommer über StadtLesen sein?

Für viele Besucherinnen und Besucher ist StadtLesen bereits zu einer lieb gewonnenen Größe im Trierer Veranstaltungssommer geworden. Ohne das sommerliche Lesewohnzimmer auf dem Domfreihof, würde vielen Mitbürgern mittlerweile etwas Entscheidendes fehlen.

Irgendwann ist jedoch immer das erste Mal. Getreu diesem Motto fand in diesem Jahr die Eröffnungslesung von Renan Demirkan im Veranstaltungsraum der VHS statt. Nach den vergangenen fünf Jahren Schönwettergarantie, verlegte ein kräftiges Sommergewitter den Eröffnungsabend spontan in die Räumlichkeiten des Bildungs- und Medienzentrums. In trockener und ungestörter Atmosphäre folgten die Anwesenden gebannt den Worten der 64-Jährigen. Renan Demirkan gewährte ihren Zuhörern bedeutsame Einblicke, sowohl in ihre eigenen biographischen Erfahrungen und Geschichten, als auch in ihre Gedanken und Fragen hinsichtlich unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. So nahm sicherlich jeder der Besucher nach der 2-stündigen Veranstaltung für sich ein paar wertvolle Gedanken mit in den verbleibenden Abend.

Vor der bekannten Schauspielerin und Autorin präsentierten Mitglieder der Gruppe „Wortsalat“, wie schon im letzten Jahren,eigene Texte und Gedichte. „Wortsalat“ unterstützt seit mehreren Jahren die Interessen Erwachsener, die Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben haben. Die Selbsthilfegruppe bietet Raum und Austauschmöglichkeiten für Lernende und verfolgt das Ziel die Öffentlichkeit für die spezielle Lage Betroffener und deren Bedürfnisse zu sensibilisieren. Das Rahmenprogramm von StadtLesen 2019 stand in vielerlei Hinsicht unter dem Fokus der Alphabetisierungs- und Grundbildungsarbeit in Trier. Vor diesem Hintergrund informierten das Projekt „Knotenpunkte für Grundbildung“ und auch das rheinland-pfälzische Netzwerk für Grundbildungsarbeit „GrubiNetz“ an mehreren Tagen auf dem Domfreihof. Gleichzeitig luden Bücher und Zeitschriften in einfacher Sprache auch weniger leseerfahrene Erwachsene zum Verweilen ein und ausliegendes Material informierte über kostenfreie Lernangebote in Trier.

Am Freitag lasen Schülerinnen und Schüler der Trierer Schulen „Auguste-Viktoria-Gymnasium“ und der „Nelson Mandela Realschule Plus“ am Integrationslesetag der Schulen und begeisterten die Zuhörer mit ihren Lesedarbietungen.

Auch das Bistum Trier beteiligte sich an der Programmgestaltung rund um das Lesefestival mit der Lesung „Vorziehen, es nicht zu tun“ aus Herman Melvilles Werken „Bartleby“ und „Moby Dick“ mit Klaus Jungen und Dr. Michael Thomas.

Die wirklich guten Geschichten sollten alle Menschen verstehen können, egal welche Sprache sie sprechen! Und gleichzeitig ist es toll zu sehen, wie bekannte Worte in einer fremden Sprache einen ganz neuen Klang finden. Samstagvormittag konnten das alle (kleinen) Zuhörer und Zuhörerinnen bei der Lesung für Kinder aus dem Buch „Der Regenbogenfisch“ erleben. Vorgelesen wurde die Geschichte auf Deutsch, Arabisch, Französisch, Türkisch und Russisch von muttersprachlichen Mitarbeitern der Stadtverwaltung.

Von klein auf mit Büchern aufzuwachsen, ist in unserer Gesellschaft keine Selbstverständlichkeit. Gleichzeitig profitieren Kinder in ihrer Entwicklung in den unterschiedlichsten Bereichen vom regelmäßigen Vorlesen. Nicht zuletzt hält das gemeinsame Erleben von Büchern und Geschichten für die ganze Familie wertvolle Momente bereit. An diese Tatsache erinnerte Michael Hain am Samstag mit seinem Vorlesetheater „Cowboy Klaus und der fiese Fränk“ alle anwesenden Kinder und Familien: Zuhören, Zuschauen, Staunen, Lachen, Mitspielen! Das alles kam bei dem gemeinsamen Abenteuer im Wilden Westen und im Kaktuswald nicht zu kurz. Im Anschluss konnten interessierte Eltern im Rahmen eines Workshops Tipps und Tricks für die Vorlesepraxis in der Familie sammeln.

Am letzten Tag des Lesefestivals unter freiem Himmel trübte keine Wolke die große Auswahl an Kinderbüchern, die am Sonntag auf die Familien in den Büchertürmen wartete. Noch einmal nutztenzahlreiche große und kleine Lesebegeisterte die einmalige Aufenthaltsqualität inmitten der Innenstadt - zum Schauen, Schmökern, Verweilen, Picknicken, Erzählen und Ausruhen.

Den Abschluss der vier Tage bildete die Preisträgerlesung des Literaturwettbewerbs der Dieter-Lintz-Stiftung. Klaus Gottheiner, Sinologe, Japanologe, Germanist und Mitglied der Trierer Autorengruppe Scriptum las seine Gewinnergeschichte entführte die Zuhörer mit seiner Gewinnergeschichte „Die spanische Einfädelung“ zunächst in die fiktiven Hochwaldgemeinde Eckstein und endete nach einem Banküberfall mit Räuberbraut Linda schließlich im Visier des israelischen Geheimdienstes Mossad, der Inquisition und dem Ende eines Alptraums.

Auch wenn das Wetter dem Lesefestival in diesem Jahr Spontanität und Improvisationsfreude abverlangte – schön war´s! Und dieser offene Charakter der Veranstaltung ist es, den die Besucher besonders schätzen.

Und wie heißt es so schön: Nach dem Festival ist vor dem Festival und Trier ist 2020 wieder unter den nominierten Städten. Also: Daumen drücken, dass es auch im nächsten Jahr wieder heißt: Lesen für alle auf dem Domfreihof!

Hinweis zur Bildgalerie: Alle Fotorechte liegen beim Bildungs- und Medienzentrum der Stadt Trier.

 
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